20. März 2023

Berlin-Premiere

Keimzeit Akustik Quintett
Schon gar nicht Proust

Musik-Show

Gleich der erste Song des Albums tönt mit ruppigen Gitarrensounds davon, dass man im stressigen Alltag keine Zeit mehr findet, ein Buch, geschweige denn einen Roman in die Hand zu nehmen. „Schlag ich ein Buch von dir auf, schlaf ich kurz danach ein“ heißt es darin. Bei den dann folgenden 12 Stücken geht es, hoppla, um nichts anderes als um einen Roman, um „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Äußerst abwechslungsreich bewegt sich die Platte vom arabisch angehauchten „Scheherazade“ über das im luftigen Discosound gekleideten „In zwanzig Jahren“ bis hin zum chansonjazzigen „Francoise“. Wie kam es dazu?  

Norbert Leisegang, Texter und Komponist des neuen Keimzeit-Akustik-Quintett-Albums mit dem Titel „Schon gar nicht Proust“, legte die Studio-Produktion in die Hände seines langjährig vertrauten Tontechnikers und Produzenten Jürgen Block. Dieser wählte zum Einspielen diesmal bewusst kein Studio außerhalb von Deutschland in Norwegen oder auf Malta, sondern die technisch sehr gut ausgestatteten Castle Studios in der sächsischen Provinz, in Röhrsdorf nahe Dresden.  

In jenem abgeschiedenen idyllischen teilsanierten Schloss ließen sich die Musiker Hartmut Leisegang (Bass), Martin Weigel (Gitarre), Christian Schwechheimer (Schlagzeug) und die Violinistin Gabriele Kienast auf ein Experiment ein, welches mit dem Vorgängeralbum „Albertine“ begonnen worden war. Mit dem Keimzeit Akustik Quintett sucht der Kopf der Band Norbert Leisegang nach Möglichkeiten, Themen und Musikstile anzufassen, die sich aus seiner Sicht durch eben jenen Klangkörper mittels szenischer Bilder und deren Atmosphäre wunderbar ausdrücken lassen.

In dieser Absicht machten sich im Studio die Musiker mit ihrem Produzenten daran, für jedes einzelne der Lieder, die Leisegang nach Figuren und Orten von Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ schuf, einen eigenen Sound zu finden. Wobei sich das Album durchaus auch demjenigen erschließt, der den Roman nicht gelesen hat.  

Der Hörer erfährt, wohin es das Sofa von Tante Leonie verschlägt, weshalb sich die Großmutter des Romanhelden fotografieren lässt, was dem Geiger Charlie Morel auf die Nerven geht, wie aus einem verschlafenen Fischerdorf ein verkommener Touristenort an der Atlantikküste wird und dass der Vorzug des Lebens auf dem Land der Mangel an Nachteilen ist.

Die mit Weißdornblüten verzierte Sanduhr des Frontcovers zeichnete die Grafikerin Francisca Drechsler. Die Sanduhr will sagen: Wer sich 37:52 min Zeit genommen hat, das Album zu hören, wird feststellen, dass er weit entfernt von der Gegenwart einen Moment lang mitten im Leben stand.

Gesang, Gitarre: Norbert Leisegang
Violine, Gesang: Gabriele Kienast
Schlagzeug, Percussion, Gesang: Christian Schwechheimer
Gitarren, Gesang: Martin Weigel
Kontrabass, Mandoline: Hartmut Leisegang

Weitere Informationen über die Künstler: www.akustik.keimzeit.de